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TITLE: Obwohl die Industrie weltweit auf Platz 17 liegt, rangiert Japan beim Export nur auf Platz 141 – gemessen an der Handelsabhängigkeit wirkt Japan wie eine „abgeschottete Großmacht“
Exporte im Verhältnis zum BIP: Platz 141 von 192 Ländern
In den World Development Indicators (WDI) der Weltbank ist das Verhältnis der Exporte zum BIP für 192 Länder und Regionen erfasst. Der weltweite Wert liegt bei 29.11 %, Japan kommt auf 22.77 %. Nach Höhe geordnet entspricht das Platz 141.
An der Spitze liegen Luxemburg (191.53 %), San Marino (185.99 %) und Hongkong (181.79 %). Werte von über 100 % entstehen, weil Verarbeitung und Zwischenhandel das Zentrum der Wirtschaft bilden und sich Geschäfte summieren, bei denen importierte Waren bearbeitet und anschließend wieder exportiert werden. Am unteren Ende stehen Sudan (0.72 %), Haiti (3.40 %) und Äthiopien (5.54 %).
Auch beim Verhältnis der Importe zum BIP liegt Japan mit 23.64 % auf Platz 161. Damit ist die Platzierung noch niedriger als bei den Exporten.
Im Gegensatz zur Bezeichnung „handelsorientierte Nation“ gehört Japan gemessen an der Handelsabhängigkeit zu den unteren 20 % der Welt.
Diese Platzierung ist auch die Kehrseite der Wirtschaftsgröße
Bei einer Messung im Verhältnis zum BIP fällt der Wert umso kleiner aus, je größer die inländische Wirtschaft als Nenner ist. Länder mit kleinen Binnenmärkten müssen ihre Produktion ins Ausland verkaufen, wodurch der Anteil hoch ausfällt. Länder mit großen Binnenmärkten weisen dagegen einen niedrigeren Anteil auf.
Luxemburg, San Marino und Hongkong, die an der Spitze stehen, haben entweder nur wenige Einwohner oder sind städtisch geprägte Volkswirtschaften. Japans Platz 141 bedeutet daher nicht, dass das Land „keinen Handel treibt“, sondern ist auch die Kehrseite einer großen, im Inland zirkulierenden Wirtschaftsleistung.
Bei einer Betrachtung der absoluten Beträge verändert sich das Bild. Wer jedoch nur die Rangliste nach dem Verhältnis zum BIP betrachtet, erkennt diesen Aspekt nicht.
Die industrielle Basis liegt auf Platz 17 von 203 Ländern
Beim Anteil der Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftsleistung liegt Japan mit 20.58 % auf Platz 17 von 203 Ländern und Regionen. Damit liegt Japan mehr als 5 Prozentpunkte über dem weltweiten Wert von 14.99 %.
An der Spitze stehen Puerto Rico (44.14 %), Liechtenstein (34.17 %) und San Marino (31.77 %). Am unteren Ende liegen Bermuda (0.33 %), die Turks- und Caicosinseln (0.45 %) und die Föderierten Staaten von Mikronesien (0.51 %); dort dominieren Tourismus und Finanzwirtschaft.
Obwohl der Anteil des verarbeitenden Gewerbes weltweit zu den höchsten gehört, liegt das Verhältnis der Exporte zum BIP weit unten. Die Struktur lautet also: Ein großer Teil der produzierten Waren wird im Inland konsumiert.
Ausländische Direktinvestitionen auf Platz 25 von 204 Ländern
Bei den aus dem Ausland zufließenden Direktinvestitionen liegt Japan mit rund 16.2 Milliarden US-Dollar auf Platz 25 von 204 Ländern und Regionen. Die weltweite Gesamtsumme beträgt rund 1.5 Billionen US-Dollar, sodass Japans Anteil etwa 1 % ausmacht.
An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten (297.1 Milliarden US-Dollar), Singapur (135.1 Milliarden US-Dollar) und Hongkong (125.8 Milliarden US-Dollar) – das Acht- bis 18-Fache des japanischen Werts. Am unteren Ende stehen die Schweiz (-108.4 Milliarden US-Dollar), Liechtenstein (-87.2 Milliarden US-Dollar) und Ungarn (-62.2 Milliarden US-Dollar), allesamt mit negativen Werten. Direktinvestitionen werden negativ, wenn der Abzug von Kapital die Zuflüsse übersteigt, weshalb die Werte in Finanzzentren stark schwanken können.
Für ein Land, das gemessen an seiner Wirtschaftsgröße weltweit zu den führenden Nationen gehört, liegt der Umfang der zufließenden Investitionen im unteren Mittelfeld.
Anteil von Hightech-Produkten an den Exporten auf Platz 44 von 186 Ländern
Beim Anteil von Hightech-Produkten an den Exporten des verarbeitenden Gewerbes liegt Japan mit 17.55 % auf Platz 44 von 186 Ländern und Regionen. Damit bleibt Japan unter dem weltweiten Wert von 24.76 %.
An der Spitze stehen die Kaimaninseln (85.52 %), Samoa (76.67 %) und Hongkong (75.57 %). Auch hier ist zu beachten, dass Regionen mit starkem Zwischenhandel leicht die vorderen Plätze belegen. Da der Nenner aus dem Exportwert der Erzeugnisse des verarbeitenden Gewerbes besteht, schlägt sich die Zusammensetzung der im Zwischenhandel gehandelten Waren unmittelbar im Anteil nieder.
Was sichtbar wird, wenn man die 5 Werte nebeneinanderstellt
| Indikator | Japans Wert | Rang (Grundgesamtheit) | Weltweiter Wert |
| Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes (im Verhältnis zum BIP) | 20.58% | Platz 17 (203) | 14.99% |
| Ausländische Direktinvestitionen | 162 Milliarden US-Dollar | Platz 25 (204) | 1.5 Billionen US-Dollar (gesamt) |
| Anteil von Hightech-Produkten an den Exporten | 17.55% | Platz 44 (186) | 24.76% |
| Exporte (im Verhältnis zum BIP) | 22.77% | Platz 141 (192) | 29.11% |
| Importe (im Verhältnis zum BIP) | 23.64% | Platz 161 (192) | 28.18% |
Die Produktionskraft gehört weltweit zur Spitzengruppe, der Anteil der Ausfuhren liegt dagegen weit hinten. Diese beiden Ergebnisse widersprechen sich nicht. In Ländern mit großen Binnenmärkten fällt die Handelsabhängigkeit, gemessen am Verhältnis zum BIP, zwangsläufig niedrig aus.
Beim Lesen internationaler Vergleiche des Handels sollte man zunächst darauf achten, welche Länder an der Spitze der Rangliste nach Anteilen stehen. Wenn dort Luxemburg, San Marino und Hongkong auftauchen, handelt es sich nicht um eine Rangliste der „Länder mit dem lebhaftesten Handel“, sondern um eine Rangliste der Volkswirtschaften, deren Handel im Verhältnis zum Binnenmarkt besonders groß ist. Auch Japans Platz 141 muss innerhalb dieses Maßstabs interpretiert werden.
Quellen
- Manufacturing, value added (% of GDP) (Weltbank, World Development Indicators NV.IND.MANF.ZS)
- Foreign direct investment, net inflows (BoP, current US$) (ebd. BX.KLT.DINV.CD.WD)
- High-technology exports (% of manufactured exports) (ebd. TX.VAL.TECH.MF.ZS)
- Exports of goods and services (% of GDP) (ebd. NE.EXP.GNFS.ZS)
- Imports of goods and services (% of GDP) (ebd. NE.IMP.GNFS.ZS)
Alle Werte basieren auf dem jeweils neuesten erfassten Jahr der Indikatoren (2024).
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