Eine wenig beachtete Perspektive auf Japans Außenhandel
Debatten über Japans Handel konzentrieren sich häufig auf Warenwerte, Handelsströme oder den Saldo zwischen Einfuhren und Ausfuhren. Eine andere Perspektive bietet die Zahl der Unternehmen, die selbst als Importeure auftreten. Sie zeigt nicht, wie groß der gesamte Importmarkt ist. Sie macht jedoch sichtbar, wie breit Importaktivitäten innerhalb der erfassten Unternehmenslandschaft verankert sind und welche Rolle die Industrie dabei spielt.
Im Geschäftsjahr 2023 wurden insgesamt 9839 Unternehmen erfasst, die Waren oder andere Leistungen importierten. Betrachtet man ausschließlich Warenimporte, waren es im Geschäftsjahr 2023 insgesamt 8415 Unternehmen. Damit wird deutlich, dass die Importwirtschaft nicht vollständig mit dem physischen Warenverkehr gleichgesetzt werden kann. Ein Teil der Unternehmen unterhält Importbeziehungen, die sich auf andere Leistungen beziehen.
Für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum ist diese Unterscheidung praktisch relevant. Wer den japanischen Markt nur über Zollwaren, Liefermengen oder Transportketten betrachtet, erfasst nicht sämtliche grenzüberschreitenden Beschaffungsbeziehungen japanischer Unternehmen.
Die Industrie bildet den Kern der Importbasis
Besonders auffällig ist die Stellung des verarbeitenden Gewerbes. Im Geschäftsjahr 2023 importierten dort 5333 Unternehmen Waren oder andere Leistungen. Bei einer Beschränkung auf Waren waren es im Geschäftsjahr 2023 noch 5022 Unternehmen.
| Erfasste Gruppe | Umfang im Geschäftsjahr 2023 |
| Importierende Unternehmen insgesamt, Waren und andere Leistungen | 9839 Unternehmen |
| Importierende Unternehmen insgesamt, nur Waren | 8415 Unternehmen |
| Importierende Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, Waren und andere Leistungen | 5333 Unternehmen |
| Importierende Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, nur Waren | 5022 Unternehmen |
Die Gegenüberstellung zeigt, dass ein großer Teil der erfassten Importfirmen dem verarbeitenden Gewerbe angehört. Importe sind für Japan daher nicht nur eine Angelegenheit von Handelsunternehmen, die ausländische Produkte einkaufen und im Inland weiterverkaufen. Sie sind zugleich Bestandteil industrieller Beschaffung.
Das kann unterschiedliche Unternehmensfunktionen betreffen: Ein Importeur kann ausländische Waren in eigene Produktions- oder Verarbeitungsprozesse einbinden, sie innerhalb einer Lieferkette weitergeben oder mit ergänzenden Leistungen kombinieren. Welche Funktion im einzelnen Unternehmen dominiert, lässt sich aus der Zahl der Importfirmen allerdings nicht ablesen. Die Statistik beschreibt die Beteiligung am Import, nicht die konkrete Verwendung jeder Einfuhr.
Warenimporte und andere Importbeziehungen nicht vermischen
Zwischen der umfassenden Erfassung und der reinen Warenbetrachtung besteht sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für das verarbeitende Gewerbe ein erkennbarer Unterschied. Dieser Abstand sollte nicht vorschnell als Randerscheinung behandelt werden. Er weist vielmehr darauf hin, dass internationale Beschaffung mehr umfasst als Güter, die physisch eine Grenze überschreiten.
Für die Analyse potenzieller Geschäftspartner ist deshalb zunächst zu klären, welche Art von Importbeziehung gemeint ist. Ein Unternehmen kann als Importeur in der umfassenden Erfassung erscheinen, ohne zur Gruppe der Warenimporteure zu gehören. Umgekehrt sagt die Einstufung als Warenimporteur noch nichts darüber aus, wie hoch der Einfuhrwert ist, wie regelmäßig importiert wird oder welche Herkunftsregion eine Rolle spielt.
Gerade bei branchenübergreifenden Vergleichen verhindert diese Trennung Fehlschlüsse. Die Anzahl der beteiligten Unternehmen ist ein Strukturindikator. Sie ist weder mit dem Wert der Einfuhren noch mit deren wirtschaftlicher Bedeutung für ein einzelnes Unternehmen identisch.
Was die Unternehmenszahlen leisten – und was nicht
Die Daten beantworten eine klar umrissene Frage: Wie viele erfasste Unternehmen waren im Geschäftsjahr 2023 an Importaktivitäten beteiligt? Sie beantworten dagegen nicht unmittelbar, ob der Zugang zum japanischen Markt einfach oder schwierig ist. Ebenso wenig lassen sich daraus Preise, Marktanteile, Lieferbedingungen oder die Konzentration des Importvolumens ableiten.
Trotz dieser Grenzen eröffnet die Unternehmensperspektive einen eigenständigen Blick auf Japans Handelsstruktur. Sie lenkt die Aufmerksamkeit von aggregierten Geldwerten auf die organisatorische Basis des Imports. Besonders das Gewicht des verarbeitenden Gewerbes – 5333 von 9839 erfassten Importunternehmen im Geschäftsjahr 2023 – zeigt, dass ausländische Lieferbeziehungen eng mit industriellen Unternehmensaktivitäten verbunden sind.
Für Anbieter und Kooperationspartner aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz bedeutet das vor allem, dass „der japanische Importmarkt“ nicht als einheitlicher Absatzkanal verstanden werden sollte. Sinnvoller ist die Unterscheidung zwischen Warenimporteuren, Unternehmen mit umfassenderen grenzüberschreitenden Beschaffungsbeziehungen und industriellen Importeuren. Die verfügbaren Unternehmenszahlen liefern dafür eine erste Orientierung, ohne Aussagen über einzelne Firmen oder konkrete Geschäftschancen vorwegzunehmen.
出典
- 経済産業省「企業活動基本調査」産業別の輸入企業に関する統計(2023年度、モノとモノ以外): https://www.e-stat.go.jp/dbview?sid=0004029549
- 経済産業省「企業活動基本調査」産業別の輸入企業に関する統計(2023年度、モノ): https://www.e-stat.go.jp/dbview?sid=0004029550